Inklusion und Vielfalt

Mehr Inklusion in der neuen Programmgeneration

Erasmus+ wird noch inklusiver. Dies spiegelt sich bei der Ausgestaltung des neuen Programms in folgenden Absichten wider:

  • Mit der neuen Programmgeneration wird einer Rekordzahl von Menschen die Möglichkeit zur Lernmobilität angeboten.
  • Der inklusive Charakter des Programms wird weiter ausgebaut und umfasst alle Lernkontexte - formal, nichtformal und informell. Von den Erfahrungen aus dem Jugendbereich sollen auch die anderen Sektoren profitieren.
  • Hierdurch soll ein noch besserer Zugang insbesondere für junge Menschen mit geringeren Chancen gewährleistet werden.
  • Durch neue Formate, vereinfachte Antragsverfahren und Möglichkeiten der Akkreditierung wird der Zugang für kleine und lokale Organisationen erleichtert.
  • Durch die Einführung einer Inklusionspauschale wird die inklusive Ausgestaltung von Projekten erleichtert.

Umfassende Inklusions- und Diversitätsstrategie

Die Teilhabe junger Menschen, die im Vergleich zu Gleichaltrigen größeren Hürden gegenüberstehen, gehört zu den Prioritäten im neuen Programm Erasmus+. Dieses Anliegen wird durch eine neue, alle Bildungsbereiche umfassende Inklusions- und Diversitätsstrategie untermauert, die in Konsultation mit Nationalen Agenturen aller Sektoren und externen Experten aus relevanten Arbeitsfeldern erarbeitet wird.

Durch die Strategie soll die Schaffung gerechter Zugangschancen zu allen Programmformaten unterstützt werden, indem alle Beteiligten dazu angehalten werden, Hürden abzubauen und Maßnahmen für eine erhöhte Inklusivität zu ergreifen. Gleichzeitig soll der wertschätzende Umgang mit Vielfalt gefördert werden.

Lernmobilität aller jungen Menschen fördern

Erasmus+ Jugend fördert ein breites Spektrum an Formaten der Lernmobilität junger Menschen. Im Kern geht es vor allem um Lernerfahrungen in nicht formalen und informellen Settings (wie in Jugendbegegnungen), aber auch um innovative Veränderungen von Lernstrukturen (z.B. im Rahmen von Kooperationspartnerschaften).

Erasmus+ Jugend will alle jungen Menschen erreichen. Einen besonderen Schwerpunkt legt das Programm dabei auf die Ansprache von jungen Menschen mit geringeren Chancen, die im Vergleich zu Gleichaltrigen größeren Hürden gegenüberstehen. Derartige Hürden können z.B. im Zusammenhang mit Behinderungen, Lernschwierigkeiten, wirtschaftlichen, sozialen und geografischen Voraussetzungen oder einem Flüchtlingsstatus bestehen. Ihnen sollen durch geeignete Instrumente Möglichkeiten grenzüberschreitender Mobilität eröffnet werden. Alle Beteiligten in den Programmen sind daher dazu angehalten, Hürden abzubauen und Maßnahmen für eine erhöhte Inklusivität zu ergreifen. 

Chancengerechtigkeit steht daher als zu förderndes Prinzip über allen Lernformaten. Die Definition von bestimmten Zielgruppen soll dabei weder als eine Art positiver Diskriminierung verstanden werden noch Stigmatisierungen befördern. Vielmehr soll sie dazu anregen, junge Menschen mit ihren individuellen Lebenssituationen und Bedürfnissen in den Blick zu nehmen und Hürden abzubauen.

Grundsätzlich sollte es in allen Projekten darum gehen, die Vielfalt der jungen Menschen in den Blick zu nehmen. Geschlecht, Alter, Hautfarbe, Beeinträchtigungen und Behinderungen, Machtstrukturen und strukturelle Benachteiligungen: Solche Unterschiede wahrzunehmen, zu benennen und offen mit ihnen umzugehen, ohne sie zu sehr zu betonen, das zeichnet diversitätsbewusste Bildung junger Menschen aus. Weil alle Menschen unterschiedlich sind, müssen auch die Projekte so ausgestaltet sein, dass jeder Mensch dabei sein kann. Untrennbar damit verbunden ist auch die Thematisierung von und der entschiedene Einsatz gegen jegliche Form von Diskriminierung.

In diversen und diversitätssensiblen Projekten werden Unterschiede anerkannt, Gemeinsamkeit gestärkt und Vielfalt gelebt. So werden Gleichberechtigung, Solidarität und Vielfalt in Projekten aus Erasmus+ Jugend überall in Europa praktisch gelebt.

Inklusions- und diversitätsorientierte Nutzung der Leitaktionen

Fachkräfte kompetent machen

Inklusive und diversitätsbewusste Handlungsprinzipien im Rahmen grenzüberschreitender Lernmobilitäten junger Menschen zu entfalten, gelingt erfahrungsgemäß umso besser, je mehr Fachkräfte selbst solche Erfahrungen gemacht haben und über entsprechende Kenntnisse und Fertigkeiten verfügen.

Erasmus+ Jugend fördert daher insbesondere auch die Mobilität von Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe, denen eine Schlüsselrolle bei der Konzipierung und Durchführung von Mobilitätsmaßnahmen für unterschiedliche Gruppen junger Menschen zukommt.

Grenzüberschreitende Mobilitätserfahrungen regen viele Fachkräfte – neben der Erweiterung der eigenen persönlichen und fachlichen Kompetenz – erst dazu an, Mobilitätsangebote für Teilnehmende zu entwickeln, die ansonsten wenig oder keinen Zugang zu Mobilitätsangeboten haben. Das flexible Format der Fachkräftebegegnungen bieten sich als niedrigschwelliger Einstieg in die europäische Jugendarbeit an.

Ihre Teilnahme an europäischen und internationalen Trainings- und Qualifizierungsangeboten trägt zum Gelingen einer interkulturellen Öffnung von Konzepten und Realitäten von Youth Work in Europa bei. Grenzüberschreitende Fachkräftemobilitäten unterstützen den fachlichen Austausch und geben Impulse, strukturell erforderliche Rahmenbedingungen weiterzuentwickeln sowie die Erfordernisse des Berufsprofils genauer in den Blick zu nehmen.

Durch zusätzliche Förderung kann der finanzielle Bedarf für inklusive und diversitätsbewusste Projekte durch das Programm Erasmus+ Jugend abgedeckt werden. So werden Inklusionspauschalen gewährt, um individuellen Bedarfen von Teilnehmenden mit geringeren Chancen begegnen zu können (z.B. durch den Abbau physischer Barrieren, bedarfsgerecht ausgestattete Zimmer oder durch eine zusätzliche Begleitperson). In begründeten Fällen können, auch für Moderierende und Trainer/-innen, reale Kosten zu hundert Prozent erstattet werden. 

Jugendbegegnungen inklusiv gestalten

Jugendbegegnungen bieten jungen Menschen Gelegenheit, internationale Mobilität in einem verlässlichen pädagogischen Rahmen zu erfahren. Für junge Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf (ebenso wie für Träger und Einrichtungen, die mit diesen Zielgruppen arbeiten), sind Jugendbegegnungen ein geeignetes erstes Format für grenzüberschreitende Lernerfahrungen.

Jugendbegegnungsprojekte lassen sich didaktisch gut gestalten und abstimmen auf Zielgruppen und die damit korrespondierenden Elemente: Dauer, Inhalte und methodischer Ansatz, Ort und Raum.

Mit der Möglichkeit des "Zuschnitts" begünstigt dieses Mobilitätsformat insbesondere auch die Teilnahme junger Menschen mit geringeren Chancen. Jugendbegegnungen sind ein geeignetes Format, darin Inklusion und Diversität als Grundprinzipien bzw. Haltung umzusetzen. Sie sind ein geeignetes Format, um jungen Menschen mit verschiedenen sozialen, ökonomischen und Bildungshintergründen, mit und ohne Behinderungen gemeinsam grenzüberschreitende Lernerfahrungen zu ermöglichen. Durch die geringe Dauer und die Möglichkeit der Teilnahme im eigenen Land und in einer Gruppe bieten sie auch denjenigen jungen Menschen die Möglichkeit, erste europäische Erfahrungen zu sammeln, denen das nötige Selbstvertrauen oder die Zeitfenster für einen längeren, individuellen Auslandsaufenthalt fehlen.

Durch gemeinsame Aktivitäten junger Menschen unterschiedlicher Herkunft und Sprache erfahren die Teilnehmenden Vielfalt als etwas Positives. Sie entwickeln wichtige soziale und interkulturelle Kompetenzen. Durch niedrigschwellige Angebote und an die Gruppe der beteiligten jungen Menschen angepasste Methoden (z.B. im Bereich der künstlerisch-kulturellen Bildung) können junge Menschen auf verschiedenen Ebenen aktiviert und inspiriert werden.

Kreative Methoden der Workshops helfen ihnen, sich auszudrücken und ihre Ideen und Gedanken mitzuteilen.

Durch zusätzliche Förderung kann der finanzielle Bedarf für inklusive und diversitätsbewusste Projekte durch das Programm Erasmus+ Jugend abgedeckt werden So werden Inklusionspauschalen gewährt, um individuellen Bedarfen von Teilnehmenden mit geringeren Chancen begegnen zu können – z.B. durch den Abbau physischer Barrieren, bedarfsgerecht ausgestattete Zimmer oder eine zusätzliche Begleitperson. In begründeten Fällen können, auch für Gruppenleitende und Trainer-/innen, reale Kosten zu hundert Prozent erstattet werden.

Jugendarbeit weiterentwickeln in Kooperationspartnerschaften und Small-scale Partnerships

Diese beiden Formate der Leitaktion 2 erlauben es, über mehrere Jahre mit Partnern aus anderen Ländern intensiv an einem Thema zu arbeiten, Peer-Learning-Prozesse anzustoßen oder zukunftsweisende Ideen und Ergebnisse zu entwickeln und zu erproben. Das kann dazu beitragen, bestehende Partnerschaften und Netzwerke im Bereich der Arbeit für und mit jungen Menschen mit geringeren Chancen zu stärken und auszubauen. Diese Projekte helfen ferner dabei, die eigene Praxis inklusiv und diversitätssensibel weiter zu entwickeln, Angebote attraktiver zu machen und mehr Anerkennung für geleistete Arbeit zu gewinnen.

Junge Menschen mit geringeren Chancen sind europaweit mit komplexen, oft multiplen Herausforderungen konfrontiert, oft multiplen Herausforderungen konfrontiert, für die es keine einfachen Lösungen gibt und die daher eine große Herausforderung für die Jugendhilfe, Jugendpolitik oder Behindertenhilfe darstellen. So besteht ein erhebliches Potential, Produkte und Ergebnisse zu entwickeln, die teilweise oder ganz auf die gezielte und bedarfsgerechte Förderung dieser Zielgruppen ausgerichtet sind.

Kooperationspartnerschaften eröffnen z.B. die Möglichkeit, auf Erfordernisse einer inklusiven und diversitätsbewussten (internationalen) Jugendarbeit mit der Entwicklung von innovativen Lösungen zu reagieren. Damit bietet der Aktivitätstyp ein großes Potential, auch systemische Wirkungen zu entfalten und somit zu einer stärkeren gesamtgesellschaftlichen Teilhabe aller jungen Menschen in ihrer Vielfalt beizutragen, d.h. nachhaltige Veränderungen in einem über die direkten Projektbeteiligten hinausreichenden Gesamtsystem zu bewirken.

Die Verankerung inklusiver und diversitätsorientierter Ansätze in größeren Einheiten wie z.B. der kommunalen oder nationalen Jugendhilfe sowie in bereichs- und sektorübergreifenden Kooperationen zwischen Praxis, Forschung, Politik und Verwaltung sowie verschiedenen Sektoren wie dem Jugend-, Bildungs- und Wirtschaftssektor bietet somit ein erhebliches Potential für weitreichende Wirkungen.

Small-scale Partnerships eröffnen neue, vereinfachte Zugänge zum Programm. Sie richten sich an eher unerfahrene und kleine, lokale Organisationen, die ein erstes Projekt im Programm durchführen sowie erste internationale Partnerschaften aufbauen wollen, um somit ein Peer Learning zu ermöglichen. Das Format ermöglicht sowohl einen inhaltlichen Austausch zu Fragen von Inklusion und Diversität als auch bewusst eine Öffnung für die Einbeziehung von Teilnehmenden mit geringeren Chancen. Um Zugangsbarrieren zu reduzieren, können hier auch lokale Aktivitäten mit eingebunden werden, um sich schrittweise an transnationale Aktivitäten heranzutasten

Jungen Menschen eine Stimme geben in Partizipationsprojekten

In Partizipationsprojekten können sich junge Menschen transnational, aber auch vor der eigenen Haustür, für ihre Anliegen engagieren, sich im Rahmen demokratischer Prozesse zum Beispiel für die Rechte Geflüchteter, für mehr Inklusion im Viertel und gegen Diskriminierung einsetzen. Dabei erleben Sie, dass ihre Stimme zählt. Durch die flexiblen Gestaltungsmöglichkeiten können junge Menschen die Projekte ihren eigenen Bedarfen und Anliegen entsprechend gestalten. Wenn sie dabei Unterstützung benötigen, können Coaches hinzugezogen werden.

Um individuellen Bedarfen aller Teilnehmenden mit geringeren Chancen begegnen zu können (z.B. durch den Abbau physischer Barrieren oder eine zusätzliche Begleitperson) können in begründeten Fällen reale Kosten zu hundert Prozent erstattet werden.